Tag 1:
Tuuuut. Tuuuut.
Die Bootshupe riss uns aus unseren Traeumen. Es war gerade einmal fuenf Uhr morgens und wir legten ab. Doch die Fahrt sollte zunaechst nicht allzulang dauern. Wir fuhren lediglich ein paar Meter Flussaufwaerts, um noch Kleinigkeiten aufzuladen. Fuer uns gings wieder ins Bett. Gegen acht sollte es dann wirklich losgehen.

Henry der 6.
Zunaechst wieder zureuck zum Ausgangspunkt der Reise, ging es weiter am Hafen mit den vielen Saegewerken und Holzlagern vorbei. Danach wurde der Fluss breiter und unsere Amazonasfahrt begann. An dieser Stelle heisst der Fluss noch Uccayali. Amazonas heisst dieser Fluss erst kurz vor Iquitos, nachdem sich ein weiterer hinzugesellt.

Holz soweit das Auge reicht!!!
Auf einem alten Dampfer den Amazonas zu bezwingen: das hat schon was von einem Abenteuer. Allein der Gedanke daran liess uns Monate lang auf diesen Moment hinfiebern. Nun sollte es endlich Realitaet werden.
Da lag er nun vor uns, beziehungsweise unter uns. Und er gab uns einen Vorgeschmack auf seine Ausmasse und seine Schoenheit. Es ist schon ein gewaltiger Fluss - und das bereits hier! Das Ufer war zunaechst eher sumpfig und schilfbewachsen. Spaeter am Tag wurde der Untergrund fester und der Regenwald zeigte sich auf beiden Seiten. Wunderschoen und idyllisch: Am Prallhang die Waldwand, die langsam von der Stroemung abgetragen wird, am Gleithang auf dem neu angeschwemmten Untergrund der Sumpf, das Schilf oder aber niedriger Waldwuchs. Zwischendruch kammen kleine Fluesse wie aus dem Nichts hinzu und kleinere Sumpfgebiete erstreckten sich nahe am Fluss. Anfangs nahmen wir an, der Kapitaen haette etwas zu tief ins Glas geschaut. Doch wir fuhren in Schlangenlinien oft sehr dicht ans Ufer des Prallhangs, da der Fluss erst hier tief genug ist. So hatten wir einen erstklassigen Ausblick auf die Pflanzenwelt.
Die Tiere waren leider etwas scheu. Somit sahen wir lediglich einige Vogelschwaerme. Die Anakonda, die Kaimane und die besonders von Joe sehnsuechtig erwarteten Araschwaerme liessen noch auf sich warten.

So verbrachten wir den ganzen Tag vor unserer Kabine, wo wir auch eine Haengematte aufgehaengt hatten, um dieses Flair auch perfekt geniessen zu koennen. Ab und zu kam dann wieder ein Holzfrachter vorbei. Als kurz vor Pucallpa drei von diesen Schiffen uns entgegen kamen, befuerchteten wir schon das Schlimmste. Doch mit der Zeit wurden sie weniger. Zudem erfuhren wir, dass es hier in Peru keinen Kahlschlag gibt. Die Staemme werden einzelnd aus dem Wald gezogen, in den kleinen Doerfern am Ufer zurecht in Planken geschnitten oder aber vollstaendig verladen.
Unsere Nachbarn waren recht nett und kinderreich. Etwas weiter hatte sich, der einzige Europaeer ausser uns, eingenisstet. Er war Franzose und ein sehr umgaenglicher Zeitgenosse. Von Zeit zu Zeit kamen ein paar aufdringliche Peruaner vorbei, die kurz mit uns plauderten oder einfach nur mit uns gesehen werden wollten.
Nach einem wunderschoenem Sonneuntergang gegen 18.00 Uhr - so frueh wird es hier nun einmal dunkel - leerten wir den uebrigen Pisco und gingen frueh zu Bett. Ich glaube es war 20.00 Uhr. Viel kann man hier an Bord nach dem Sonnenuntergang nicht mehr erleben. Ausserdem waren wir allesamt nach der ersten recht wachen Nacht erschlagen.

Gegen 22.00 Uhr gingen wir allerdings noch einmal vor die Tuer. Wir erreichten einen kleinen Ort, wo sogar Tuk Tuks fuhren. Hier deckten wir uns noch einmal mit Kuchen und Fleisch mit Manjok ein. Es klingt ein wenig verwirrend. Aber nach den Mahlzeiten heute, die spaeter nochmals naeher erklaert werden, war es eine Wohltat.
Tag 2:
Heute regnete es durchgaengig und wir verbrachten die meiste Zeit in der Kajuete. Es war zunaechst zwar faszinierend zu erleben und auch ein Erlebnis auf dem Schiffsdeck im Regen zu stehen, wurde jedoch schnell auch unangenehm und kalt. In unserer Kabine war es warm und wir schliefen und chillten den ganzen Tag. Wie sagte der Franzose so schoen: Erst eine Siesta und dann ins Bett.

Stroemender Regen und Eiseskaelte...
Zu beobachten war allerdings, dass die Doerfer am Flussufer zahlreicher wurden. Sie waren klein und mit Strohdaechern bedeckt. Man fragte sich haeufig, von was diese Menschen leben. Sie lagen zumeist mitten im Wald.

Und noch ein Sonneuntergang!
Als es dunkel wurde, versuchten wir aufs Hauptdeck zu kommen. Doch ein bewaffneter Mann versperrte uns den Weg und wies uns in einem sehr unhoeflichen Ton den Weg zurueck. Das Schiff wurde nun deutlich langsamer. Wir leuchteten das Terrain nach den besten Fahrrinnen aus und waren auf der Hut vor Piraten. Das Gebiet hier war ideal fuer einen Angriff - Absolute Dunkelheit und keine Hilfe weit und breit.
Joe und Simon sassen erneut vor der Kabine. Ein Schiff kam uns entgegen. Es lag eine ruhige und entspannte Stille in der Luft. Doch diese wurde durch einen Schuss jeh gestoert. Er kam vom Oberdeck. Die Patrone fiel direkt ueber uns auf den metallernen Boden. Das einzige Geraeusch, dass wir nun noch hoerten, war das Rollen der kleinen Huelse ueber das Deck. Dann war wieder Stille. Diesmal war es eine unheimliche Stille. Was war geschehen?
Wir sagten nichts, schauten uns nur fragend an. Peng! Da war ein zweiter Schuss. Diesmal kam er vom anderen Schiff. Joe ging reaktionsschnell in Deckung, Simon blieb in einer Art Starre regungslos sitzen. Wir waren im Krieg!
Piratenangriff? Die verfeindete Gesellschaft? Oder was war hier geschehen?
Erneut eine beaengstigende Stille, die durch lautes, freudiges Gelaechter, laute Rufe und ein Feuerwerk an Lichtsignalen beendet wurde. Wir waren nicht im Krieg. Die Besatzung hatte lediglich Langeweile und machte sich einen Spass aus der Situation - Eher eine Art Kriegsspiel. Puh! Der Job muss auf Dauer schon recht langweilig sein. Letztlich waren wir froh, dass es so war.
Nach ein paar Minuten kam Sabrina um die Ecke. Sie hatte sich auf der anderen Seite des Bootes mit Kindern unterhalten und gar nichts mitbekommen.
Nach diesem Ereignis waren wir recht muede, tranken noch ein kuehles Pils aus der Schiffsbar, und gingen erneut sehr frueh zu Bett. Was sollte man auch Anderes machen? Es war stockduster. Und wenn man diesen Umstand aendern wuerde, sprich das Licht anschalten, dann wuerden die Moskitos ueber einen herfallen. Wir waren ohnehin froh, dass diese zumeist durch den Fahrtwind vom Boot ferngehalten wurden.