Gegen 7.00 Uhr ging es mit einem Jeep, drei Traegern und einem 21jaehrigen Guide namens Puri - Gruss an die Stechfliegen - in Richtung Norden. Nach einem kleinen Zwischenstop an einer Baeckerei erreichten wir nach einer Stunde Fahrt ueber die asphaltierte Nationalstrasse das Dorf San Francisco. Von hier fuehrte eine Schotterpiste eine weitere knappe Stunde durch huegeliges Grasland nach Paratepui. Nachdem wir unsere Trinkflachen aufgefuellt hatten, ging es los. Die ersten elf Kilometer an den Fluss River Tek waren nicht unbedingt sehr anspruchsvoll. Es war huegelig und angenehm warm. Zwischendurch machten wir kleine Pausen an bewaldeten Fluessen. Dennoch mussten wir immer mal wieder auf David warten - nicht auf den Franzosen, sondern auf den Englaender, der gerstern Abend noch zu uns zugestossen ist. Er wollte die 35 Euro fuer einen Traeger sparen und trug 20 Kilo mit sich, u.a. sein Essen. Vom River Tek, wo es Thunfischsalat und Sandwiches gab, liefen wir ca. sechs Kilometer weiter um Military Camp. Zum Base Camp schafften wir es leider nicht mehr. Zu gross waren die Distanzen, die wir anstatt an drei Tagen an zweien liefen. Das zweite Teilstueck nach zwei Flussdruchquerungen, an denen Joe die anderen beiden Stadtmusikanten an einem Seil mit ins Wasser riss - einer von ihnen ging aufgrund seiner Groesse ganz unter - war dann steiler und daher auch anstrengender. Dennoch erreichten wir gegen 18.00 Uhr waehrend der Daemmerung das Military Camp. Nach einer leckeren Pasta gingen wir erschoepft ins Bett.
Tag 2:
Eigentlich wollten wir gegen 7.30 aufbrechen. Im Endeffekt liefen wir gegen 9.00 Uhr los. Unsere Traeger - mittlerweile nur noch zwei - und der Fuehrer nahmen dies nicht so genau. Bis zum Base Camp dauerte es noch gute zwei Stunden, bis dann der Aufstieg auf den Tepui Roraima begann. Insgesamt waren es noch einmal ca. sechs Kilometer bis zum Gipfel.
Es ging bis zu 60 Grad steile Haenge hinauf, dann durch Nebelwaelder ueber Stock und Stein laengs der Steilwand hinauf. Bisher hatten wir ihn nur ansatzweise durch die Wolken sehen koennen. Doch als diese 500 Meter hohe Wand gerade einmal zehn Meter von uns entfernt war, lichteten sich die Wolken. Es war gigantisch.
Und weiter gehts...
Nach weiteren zwei Stunden und einer kleineren Zwischenmahlzeit erreichten wir den letzten Anstieg, steiler denn je und quer durch den Spruehregen zweier Wasserfaelle. Nach 45 Minuten erreichten wir dann gegen 15.30 Uhr das Plateau, des hoechsten Tepuis dieser Hemisphaere. Hier herrschte eines ganz andere Welt. Ueber Jahrmillionen - diese Gebirge sind um ein vielfaches aelter als die Anden oder der Himalaya - haben sich hier endemische Pflanzen- und Tierwelten entwickelt, u.a. ein Frosch, der so gross ist wie der Nagel eines kleinen Zehs.
Unser Guide beschaeftigte sich unterdessen mit den Zurueckgebliebenen. Als dann nach einer weiteren Stunde alle angekommen waren, herrschte erst einmal grosses Chaos. Aufgrund der Osterfeiertage waren sehr viele Venezuelaner auf dem Berg, trotz Begrenzung von 60 Personen pro Tag, die den Aufstieg in Angriff nehmen duerfen. Daher waren alle "Hotels" belegt. Nirgendwo war es windstill und geschuetzt vor Wasser. Daher mussten wir noch eine weitere Stunde ueber den kargen Tepui laufen, um einen Schlafplatz zu finden. Die Hoehle, in der wir uebernachten sollten, war allerdings auch besetzt, weshalb wir uns auf eine freie Flaeche niederliessen. Doch so schnell, wie dies hier beschrieben wird, verlief es nicht wirklich.
Einer unserer Traeger, der heute morgen die Zelte abgebaut hatte, hatte uns noch nicht eingeholt. Und wer die Zelte abbaut, hat sie meistens auch bei sich. Daher konnte wir leider keine Zelte aufbauen. Wir mussten bis 21.00 Uhr sage und schreibe drei Stunden in feuchter Kleidung bei Eiseskaelte in der Hoehle Unterschlupf suchen. Auch das Essen war nicht auffindbar. Es gab eine kleine Suppe, den Reis dann spaeter, als der besagte Traeger auftauchte.
Und die Nacht war ausserdem die Hoelle. Wir froren, zitterten und wussten gar nicht was wir dagegen tun sollten. Es war einfach unertraeglich. Eine Hoffnung blieb: morgen einen trockenen und windgeschuetzten Unterschlupf an einer Steilwand in einem dieser Hotels zu finden.
Tag 3:
Sabrina und Joe machten, waehrend die Anderen weitere 16 Kilometer hin und zurueck zum Triple Point - so wird hier das Dreilaendereck zwischen Guyana, Brasilien und Venezuela genannt - abrissen, einen etwas gemuetlicheren Tag. Wir sollten uns nur acht Kilometer im Umkreis unseres neuen Hotels bewegen, in das wir heute Morgen umgezogen waren und welches gleich neben dem gestrigen Zeltplatz lag.
Es ging zunaechst an die Nord- und Westwand, die von straken Nebelfaeldern eingeschlossen waren. An wunderschoene Wasserlauefen und Kristallfeldern vorbei ging es dann zur Ostwand, die Wand, an der wir hochgestiegen waren. Hier auf dem hoechsten Punkt des Roraima auf etwa 2800 Metern zogen die Wolken davon. Wir hatten eine ungalubliche Sicht auf den Nachbartepui mit dem 600 Meter hohen und viertgroessten Wasserfall der Welt und natuerlich auf die maechte Gran Sabana.
Gegen 16.00 Uhr waren wir dann wieder zurueck. Wir hatten noch genuegend Zeit, um erneut an die Steilwand zu laufen. Sie war gerade einmal 100 Meter von unserem "Hotel" entfernt. Hier war es auch, wo wir einen wunderschoenen Sonneruntergang erlebten. Der mittlerweile zurueckgekehrte Simon war dermassen erschoepft, dass selbst dies kein Grund war, sich aus dem Zelt zu bewegen.
Tag 5: Den Rueckmarsch durchs huegelige Land der Gran Sabana absolvierten wir alleine. Es gab keine Gefahren mehr. Wir benoetigten fuer die elf Kilometer knappe drei Stunden und erreichten um 11.00 Uhr Paratepui. Die Anderen liessen natuerlich wieder einmal auf sich warten, eine geschlagene Stunde. Nach einer kurzen Zwischenmahlzeit ging es mit dem Jeep zurueck in Richtung Santa Elena.
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